Das weiße Feuer
„Das Weiße Feuer“ wurde von Mahárg, dem Propheten der Freiheit, verfasst, der im Áhr 1419 des 6.Zeitalters den „Orden des weißen Feuers“ gründete. Dieser entwickelte sich aus dem „Orden des freien Volkes“, welcher zuvor vom Gelehrten Aaskarat ins Leben gerufen wurde.
Der Orden des Weißen Feuers will die Völker Llhyrinths von der Herrschaft der Tyrannen befreien, die den Namen der Götter benutzten, um sich selbst zu gottgleichen Königen zu erheben. In seiner Schrift zeigt Mahárg auf, wie das Volk sich von dem falschen Glauben befreien kann, der es so lange in der „Heiligen Ordnung“ der Tyrannen gefangen hielt. Er weist den Weg zu einer neuen Ordnung, in der das Volk als seines eigenen Schicksals Schmied frei von Unterdrückung und von Leid sein wird.


Das Licht des weißen Feuers
Ein neues Licht erhellt das Land. Es ist das Licht des weißen Feuers, das euch von der Tyrannei eurer Herrscher befreit. Von den Königen, die euch im Namen der Götter und des Ráth ausgebeutet und versklavt haben. Eben jene Götter und der Ráth, die euch von Tugend, Recht und der heiligen Ordnung predigen, um euch an eurem Platz zu halten. Denn was waren die Gebote des Ráth anderes als der Fuß im Nacken des Volkes? Und was waren die Geschichten von Tod und Verdammnis anderes als die Kette der Furcht, die das Volk an seinen Platz band? Gehorsam habt ihr eure Köpfe gesenkt und es nicht gewagt, gegen eure Herren die Stimme zu erheben, da ihr euch vor der Strafe gefürchtet habt, die euch im Leben oder nach dem Tod heimsuchen würde.
Welche Strafe aber sollte schlimmer sein als das Leid, das ihr bereits erduldet habt? Sklaven wart ihr. Und Sklaven seid ihr noch, denn euer Glaube ist es, der euch nach wie vor gefangen hält. Ihr schlottert vor Angst, wenn ihr an die „Strafe“ denkt, die euch erwartet. Aber wo sind die Götter? Wo ist der Ráth? Wo ist die Strafe, die euch treffen soll? Die Macht des weißen Feuers hat euch befreit, doch ihr wendet voller Furcht den Blick ab und bleibt lieber gefangen im Schatten der gestürzten Tyrannen, weil ihr es nicht wagt, nach der Freiheit zu greifen, die direkt vor euren Augen liegt.
Weil ihr „glaubt“, was man euch über über die scheinbare Gefahr erzählt, die in dieser Freiheit verborgen liegen soll.
Die Anhänger des Ráth sprachen von einem „Dämon“ und davon, dass das weiße Feuer einer „Macht des Bösen“ entsprang. Natürlich tun sie das, um von ihrer eigenen Schuld abzulenken und um euch daran zu hindern, die Wahrheit zu erkennen.
Denn die Tyrannen sind dunkel und von bösen Mächten getrieben. Sie lenkten euch mit Lügen, mit Märchen und Aberglauben. Angst vor der Dunkelheit mit all ihren Ausgeburten hielt euch furchtsam an eurem Platz. Was aber war das lichtvolle Zeitalter des Ráth für euch anderes als finster? Was waren die Tyrannen anderes als die Ausgeburten dieser Finsternis? Sie, die voller Schatten waren, ließen euch glauben, dass sie euch vor der Dunkelheit beschützen. Sie ließen euch glauben, dass ihr ihnen dafür danken müsstet. Sie lebten in dem Reich, das sie auf eurem Rücken erbauten. Sie lebten im Überfluss, während euch zu ihren Füßen nichts blieb als die Reste, die euch eure Herren überließen. Und ihr wart gezwungen, euch für ihre Gnade zu bedanken. Sie zu ehren.
Und nun, da etwas ihre Macht bedroht, nennen sie es böse. Dämonisch. Verdorben. Wie einfach lasst ihr euch von diesen Worten täuschen und wendet euch von dem Licht ab, mit dem ihr euch stattdessen retten könntet. Wie leicht lasst ihr euch einmal mehr mit eurem alten Glauben binden, weil ihr es nicht wagt, der Wahrheit mit euren eigenen Augen ins Gesicht zu sehen. Nein, lieber glaubt ihr denen, die euch all die Zeit belogen und beherrscht haben. Lieber glaubt ihr den Tyrannen, die euch die „Erlösung“ und „das Licht der Götter“ gebracht haben.
Seid ihr jemals erlöst worden? Habt ihr das Licht der Götter gesehen? Haben sie eure Gebete jemals erhört? Nein. Denn ihr seid allein in dieser Welt und die einzige Erlösung, die ihr erlangen könnt, müsst ihr euch in diesem Leben selbst verdienen.
Mit eurer Hände Arbeit habt ihr das Reich der Tyrannen erschaffen und es getragen. Und mit euren Händen könnt ihr es niederreißen und euer eigenes Reich erschaffen, in dem ihr eure eigenen Herren seid. Dies ist die Freiheit, die ich euch bringe. Denn ich sage euch: Wahre Freiheit bedeutet, dass ihr erkennt, dass ihr allein Herr eures eigenen Schicksals seid. Wahre Freiheit bedeutet, dass ihr eure Verantwortung und eure Schuld annehmt, die ihr selbst an eurem Leid tragt, weil ihr euch nicht davon befreit.
Denn ihr leidet. Und trotzdem haltet ihr immer noch fest an eurem alten Glauben, der euch vergiftet und euch lenkt, wie eine unsichtbare Hand. Ihr merkt es nicht, doch ich kann es beweisen. Richtet den Blick auf euch selbst. Seht die Zweifel, den Zorn und die Furcht, die meine Worte in euch wecken. Dies sind die Fesseln eures Glaubens, der euch bindet und euch dazu drängen will, euch von meinen Worten abzuwenden. Augen und Ohren davon zu verschließen, weil sie euch die Wahrheit unerträglich machen. Seht auf diesen Zweifel. Seht auf diese Furcht und diesen Zorn. Es ist gut, wenn meine Worte sie erwecken, denn das bedeutet, dass ihr zu der Wurzel eures Glaubens vorgedrungen seid, der euch immer noch gefangen hält. So tief sitzt die Wurzel dieses Glaubens, dass euch all eure Überzeugungen als selbstverständlich gelten. Ihr denkt nicht daran, zu hinterfragen, ob hinter diesem Glauben Wahrheit steckt. Oder ob all dies in Wahrheit nicht mehr ist als ein Märchen, erdacht von den Tyrannen, um euch an eurem Platz in der „heiligen Ordnung“ zu halten. Denn euer Glaube ist alles, was sie trägt und an der Macht hält.
Ja, so selbstverständlich ist euch euer Glaube an diese „heilige Ordnung“ der Tyrannen, dass euch allein der Gedanke daran, jemand könne sich dieser „Wahrheit“ widersetzen, als gottlos und gefährlich erscheint. Ihr haltet euch selbst für „ráthstreu“ und glaubt, dass „Ráthstreue“ eure Plicht und euer Weg in die Erlösung sei, obwohl das Wort allein eine der Fesseln ist, die euch bindet und euch dazu zwingt, euch den Geboten der Tyrannen zu unterwerfen. Was, wenn nicht eure „Ráthstreue“ zwingt euch, das Leid zu ertragen? Was, wenn nicht eure „Ráthstreue“ lässt euch daran glauben, dass das Unrecht und die Grausamkeit der Tyrannen der Wille der Götter sei und ihr die Herrschaft ihrer harten Hand verdient habt?
Aber ihr weist den Gedanken zurück, weist jene zurück, die es wagen, die „heilige Ordnung“ zu hinterfragen, da ihr sie als verdorben und gefährlich anseht. Erkennt ihr das böse Spiel? Wie euer Glaube sich selbst schützt, indem er alles angreift, was seine Macht bedroht? Er hält euch blind und taub, weil er jeden als Feind ansieht, der euch lehren könnte, die Wahrheit zu sehen und zu hören.
Denn Wahrheit ist der Feind des Glaubens.
Dies ist die verdorbene, vergiftete Wurzel, die ausgerissen und in der reinigenden Wahrheit des weißen Feuers verbrannt werden muss, wenn ihr euch von der Sklaverei des Glaubens befreien wollt. Aber ihr wollt es nicht. Ihr wollt euch von meinen Worten abwenden, und im Schatten der alten Tyrannen bleiben. Ihr haltet meine Worte für gefährlich. Ihr „glaubt“ mir nicht. Ihr bestreitet es, wollt nicht hören, wendet euch ab, bekämpft mich. Manch einer von euch behauptet gar, er wäre nicht gläubig und er wäre „frei“ in seinem Denken. Seht, dies ist die Macht, die euer Glaube über euch besitzt. Und ihr seid seine Sklaven. Oh, was gibt es Besseres für einen Herrscher, als ein Sklave, der blind für seine Fesseln ist, und der sich selbst als guter, freier Bürger sieht? Ein Sklave, der seinen Herren gar verteidigt und ausgerechnet jene voller Furcht und Zorn angreift, die ihn von seinen Fesseln befreien könnten?
Doch wenn ihr Angst habt, fragt euch, wovor? Das weiße Feuer tut nicht mehr, als die Maske der Gebote und Lügen niederzubrennen, mit der die Tyrannen euch getäuscht haben. Ist es die Wahrheit, die ihr fürchtet? Wollt ihr an eurem Glauben festhalten, an seinen trügerischen Versprechen von Sicherheit und Erlösung, die nie mehr, als hohle Lügen waren? Oder wollt ihr der Herr eures eigenen Schicksals sein und die Zukunft mit euren eigenen Händen, nach eurem eigenen Willen, gestalten?
Erst wenn ihr diese Furcht verliert. Erst wenn die Wahrheit meiner Worte euch mit Gewissheit und Freude erfüllt, werdet ihr begreifen, was es bedeutet, wahrhaftig frei zu sein. Ihr werdet begreifen, dass euer eigener Zweifel euer schlimmster Feind ist, denn er ist die mächtigste Waffe eures alten Glaubens, der all euer Handeln und Denken bestimmt. Er ist euer Kerkermeister, der euer Herz und euren Verstand mit eurer Furcht gefangen hält.
Ich werde euch helfen, euch davon zu befreien. Denn ich bin nicht euer Herr. Ich bin kein Bote der Götter und ich bin nicht gekommen, um über euch zu herrschen. Ich bin euer Diener. Und ich habe mein Leben der reinigenden Wahrheit des weißen Feuers geopfert, um euch mit seinem Licht die Freiheit zu bringen. Denn das freie Volk allein ist seines eigenen Schicksals Schmied und besitzt die Macht, seine eigene Geschichte neu zu schreiben.
Habt keine Angst. Ihr müsst den Weg nicht kennen. Ihr müsst nicht wissen oder verstehen. Öffnet euch meinen Worten, hört mir zu, dann werde ich euch lehren und euch helfen, euch von eurem falschen Glauben zu befreien. Öffnet euch meinen Worten, dann werde ich ihn bei seinen Wurzeln packen und herausreißen aus euren Gedanken, aus euren Ängsten und Zweifeln, in denen er sich eingenistet hat. Ich reiße ihn heraus, damit ihr ihn im hellen Licht als das krankhafte Geschwür erkennen könnt, das er ist. Und wenn ihr ihn erkennen könnt, so könnt ihr ihn vernichten und euch von ihm befreien.
Oh, ihr fürchtet die Folgen, die euch drohen. Das „Zeitalter der Dunkelheit“, vor dem der Ráth euch warnt. Das über euch hereinbrechen wird, wenn ihr je den Pfad der Götter verlässt. Doch war ihr hellstes, ihr strahlendstes Zeitalter nicht unser dunkelstes? Und brach die Dunkelheit nicht über sie herein, als mit dem Sturz der Tyrannen für uns die Sonnen zu einem neuen Morgen aufgingen? Anstatt also die prophezeite Dunkelheit zu fürchten, sollten wir ihr mit offenen Augen und frohen Mutes entgegenschreiten, denn der angedrohte Schrecken erwies sich als unsere Erlösung. Was also, wenn das „Zeitalter der Dunkelheit“ nicht dunkel war, sondern eine Zeit, in der die Völker frei waren? Frei von ihren Herrschern und Tyrannen? Oh, es wäre wahrhaftig eine dunkle Zeit für sie gewesen.
Eine Zeit, die wir an ihrer statt vergessen oder fürchten sollten, auf dass sie sich niemals wiederhole.
Darum fasst Mut und geht voran. Fürchtet nicht die angedrohten Strafen der Götter und des Ráth, denn sie sind nichts als Schreckgestalten, die sich in Rauch auflösen, sobald ihr ihnen in die Augen seht.
Fürchtet euch nicht. Das weiße Feuer reinigt. Es verbrennt die vom Glauben kranken und verdorrten Gewächse der Vergangenheit, damit aus deren Asche eine neue, helle Zukunft der Wahrheit und der Freiheit erwachsen kann.
Der Kampf um eine freie Zukunft
Es ist ein Kampf. Ein Kampf für die Zukunft unserer Welt.
Denn die Welt steht nun an einem Scheideweg. Obwohl die Tyrannen, die falschen Götter, gestürzt sind, hat unser Kampf um den Anbruch eines neuen Zeitalters des freien, starken Volkes, gerade erst begonnen. Denn nun gilt es, die Zeit zu nutzen, solange die Tyrannen ihre Wunden lecken. Dies ist die Zeit, um ihnen die Macht endgültig zu entreißen, ehe sie den jüngst entzündeten Funken der Freiheit unter ihren Füßen ersticken, um die alte Ordnung wiederherzustellen.
Die notwendige Veränderung zur Befreiung aus der „heiligen Ordnung“ kann und muss allein vom Volk ausgehen. Denn wer sind jene, die bisher dafür verantwortlich waren? Sie, die all die Gesetze erlassen haben, die euch knechten? Sie sind Diener des Ráth und der Tyrannen, und sie sind Sklaven des Glaubens der alten Welt. Sie werden nichts verändern. Und sie kümmern sich nicht um euer Leid, denn sie sind es, die daraus ihren Nutzen ziehen. Daher werden sie die alte Ordnung wieder aufbauen und euch sagen, dass es für euch alle nur zum Besten und der Wille der Götter sei. Und ihr werdet einmal mehr ihrer Willkürherrschaft hilflos ausgeliefert sein und zusehen, wie die Tyrannen euch knechten und ihren Reichtum vermehren. Wie sie essen und trinken, während euch nichts als die Reste bleiben, die sie euch zugestehen. Und dann werdet ihr wissen, ihr habt die Zeit vertan, in der ihr euch von euren Fesseln hättet befreien können. Denn sind die Mächtigen erst erneut an der Macht, so werden sie euch nur noch grausamer knechten, um zu verhindern, dass ihr euch je erneut gegen sie erhebt. Denn sie haben Angst. Und das zu Recht. Denn der Glaube an die Götter und die „heilige Ordnung“ ist, wie die Herrschaft der Tyrannen, nur „wahr“ und „mächtig“, weil ihr glaubt, dass er wahr und mächtig ist. Er ist nichts weiter als ein Märchen, das durch euren Glauben zum Leben erweckt und am Leben erhalten wird. Dies macht den Glauben so mächtig, der sich in euren Wünschen und Hoffnungen, euren Ängsten und Zweifeln tarnt.
Fragt euch also: Auf welcher Seite der Geschichte wollt ihr stehen? Wollt ihr als namenlose, gesichtslose Sklaven des Glaubens in der Geschichte der Tyrannen untergehen? Oder wollt ihr euren Namen in einer Geschichte verewigen, die ihr mit euren freien Brüdern und Schwestern selbst geschrieben habt? Die Geschichte einer neuen, freien Welt, die ihr euch mit euren eigenen Händen erschaffen habt?
Die Befreiung unserer Welt kann nur gelingen, wenn wir alle daran arbeiten, vereint durch dieselbe Vision einer vom Glauben erlösten Zukunft. Denn nur gemeinsam sind wir stark. Und nur gemeinsam können wir eine Krankheit besiegen, die unser Volk seit mehr als zweitausend Áhr plagt. Denn der Glaube ist wie eine Krankheit. Wird sie nicht vollständig besiegt, lebt sie wieder und wieder auf und befällt jeden, der mit ihr in Berührung kommt. Daher ist es die Pflicht eines jeden Einzelnen, der sich zum freien Volk bekennt, unablässig für die Befreiung zu kämpfen, um unsere Welt endgültig von dieser Krankheit zu heilen. Daher gibt es keinen Platz für jene, die festhalten an der alten Ordnung und an dem Märchen von den Göttern und der Erlösung, die ihnen die Tyrannen versprechen.
Es gibt keine Neutralität in diesem Kampf. Denn wer nicht für eine vom Glauben befreite Welt ist, der unterstützt die alte Welt der Tyrannei. Und wer nicht bereit ist, für seine Freiheit und seine eigene Zukunft zur Waffe zu greifen, dem hat sein eigener Glaube die Hände gebunden. Er ist nichts als ein Sklave seines Glaubens, der ihn auf Knien an seinem Platz hält. Wer sich aber von seinem Glauben nicht befreien kann, der ist verloren.
Es kann auch keinen „Frieden“ geben, denn „Frieden“ ist nichts, als ein Wort, hinter dem sich die Untätigen und Feiglinge, und jene Gläubigen verstecken, die damit dem alten Glauben und seinen Tyrannen zu neuer Macht verhelfen. Denn jede Maßnahme, die nicht dazu dient, den Glauben und die Tyrannen zu bekämpfen, verschafft ihm Zeit, um neue Kraft zu sammeln und sich unbemerkt in die Gedanken seiner Sklaven zu schleichen. Lasst euch also nicht täuschen vom Gerede von „Frieden“ und „Neutralität“, denn diese sind nichts als heimtückische Versuche, euch zu beschwichtigen und in Sicherheit zu wiegen. Gebt also acht, wenn ihr Untätigen, Feiglingen und Gläubigen gegenübersteht, die euch von eurem Tun abbringen wollen, indem sie für Frieden plädieren oder Zweifel in euch wecken wollen. Manche von ihnen tun dies mit einem lächelnden Gesicht, um euch zu täuschen, damit ihr ihre Worte und Taten nicht als die Angriffe erkennt, die sie in Wahrheit sind. Ja, es sind Angriffe auf euer freies Denken und euren Kampf für eine neue, freie Ordnung unserer Welt. Bedenkt stets, dass die Tyrannen und ihre gläubigen Sklaven keineswegs verschwunden sind, sobald sie aufhören, euch offen zu bekämpfen. Sie tragen ihren Widerstand bloß von offener Konfrontation zu versteckter List und verbergen ihre wahren Absichten hinter freundlichen Gesichtern und beschwichtigenden Worten.
Gelingt es den Gläubigen aber, euch mit ihren Lügen zu vergiften und euch von eurem Weg abzubringen, so seid ihr verloren. Vergesst niemals: Der größte Feind in diesem Kampf seid ihr euch selbst mit eurem eigenen, so tief verwurzelten Glauben. Darum richtet ein Auge stets auf euch selbst und auf eure eigenen Gedanken und Taten und fragt euch stets: „Sind das wirklich meine Gedanken und mein freier Wille, oder ist dies der krankhafte Einfluss der Glaubens, der mich beherrscht?“
Und wenn ihr denkt, meine Worte beträfen euch nicht und ihr wärt keine Gläubigen oder ihr wärt gar Herr eurer eigenen Gedanken, so fragt euch erneut: „Sind das wirklich meine Gedanken und mein freier Wille, oder ist dies der krankhafte Einfluss der Glaubens, der mich beherrscht?“
Denn wer meint, er sei kein Gläubiger, der ist blind und nicht dazu imstande, die Krankheit in seinem Verstand und Herzen zu erkennen. Niemand von euch ist vom Glauben verschont. Ihr alle tragt den Keim der Krankheit in euch, die zu sprießen anfängt, wann immer man sie nicht mit aller Kraft bekämpft.
Und wer von euch nun gegen meine Worte aufbegehrt, beweist, dass ich die Wurzeln eures Glaubens erreicht habe. Seht, euer Aufbegehren, eure Wut und eure Furcht sind nicht mehr als der verzweifelte Versuch des Glaubens, seine zerbrechliche Macht zu beschützen. Denn wer, wenn nicht der Schuldige, würde sagen „Ich bin nicht schuld!“ Und wer, wenn nicht der Gläubige würde behaupten „Ich bin nicht gläubig!“ um den Anschein von Freiheit zu wahren?
Wenn ihr also denkt, dass meine Worte euch nicht betreffen und nicht an euren Glauben rühren, dann seht noch einmal genauer hin und fragt euch: Warum zweifle ich? Warum wecken Mahárgs Worte solchen Groll und solche Furcht in mir? Sind es wahrhaftig meine Gedanken, oder ist es der krankhafte Einfluss des Glaubens, der mich beschleicht? Bedenkt: Er will, dass ihr zweifelt. Er will, dass ihr allem misstraut und alles fürchtet, was seine Macht bedroht. Natürlich. Er will verhindern, dass seine Sklaven nach der Freiheit greifen.
Denn es stellt sich nicht die Frage, „ob“ ihr von eurem Glauben beherrscht werdet. Nein, die einzige Frage, die sich stellt, ist, ob ihr dazu imstande seid, seine krankhaften Auswirkungen zu erkennen, damit ihr euch von ihnen befreien könnt. Dazu müsst ihr ihn entblößen. Nur wenn ihr euren eigenen Glauben offenlegt, ihn vor allen Augen ans Licht zerrt und euch zu seinem krankhaften Einfluss bekennt, könnt ihr ihn verstehen und vernichten. Darum sprecht. Sprecht es aus und entblößt den Feind, der ihn euch wohnt, anstatt ihn zu verleugnen, ihn als „harmlos“ anzusehen oder ihn gar zu beschützen. Gesteht. Gesteht euren Glauben. Gesteht ihn ein vor euch selbst und der Welt und bringt ihn dem reinigenden, weißen Feuer zum Opfer dar, damit es euch von ihm befreit.
Und wenn es euch gelingt, ruht euch nicht aus auf eurem Sieg. Werdet nicht nachlässig in eurem Bemühen und wähnt euch nicht in Sicherheit. Der Kampf gegen den krankhaften Einfluss eures Glaubens ist ein immerwährender, lebenslanger Kampf, der niemals endet. Denn der Glaube nutzt jede Schwäche, jeden Zweifel und jeden selbstgerechten Stolz, um seine Macht zurückzuerlangen. Wollt ihr über ihn triumphieren, so müsst ihr stärker sein und euch selbst und eure Gedanken und Gefühle kontrollieren, um ihnen die Kontrolle zu entreißen und Herr über euren eigenen Willen zu werden. Nur so könnt ihr euch wahrhaftig von den Fesseln eures Glaubens befreien.
Der Orden des weißen Feuers
Wie also müssen wir uns diese Freiheit erkämpfen? Wie können wir uns von den Fesseln unseres Glaubens befreien? Indem wir die alte Welt mit ihren alten Tyrannen, ihren alten Göttern und ihren alten Sklaven verbrennen. Alles, was den alten Tyrannen und den alten Göttern dient, muss dem reinigenden Feuer übergeben werden, damit sich aus der Asche eine neue, freie Welt erheben kann. Eine Welt die frei ist von den alten Traditionen. Der alten Kultur. Dem alten „Recht“ und der alten „Ordnung“. Sowie von den alten Göttern und der alten, von der Hand der Tyrannen, verfassten Geschichte. Von alldem müssen wir uns befreien, denn in ihnen und in der Erinnerung an diese Zeit liegt der Keim der Krankheit verborgen, die uns plagt.
Denn wenn diese Krankheit nicht vollständig ausgerottet wird, wird sie sich wieder erheben bei der ersten Gelegenheit, die sich ihr bietet. Seit mehr als zweitausend Áhr beherrscht sie die Welt und seit mehr als zweitausend Áhr wurdet ihr in sie hineingeboren und von Kindesbeinen an gelehrt, an die „heilige Ordnung“ zu glauben. Diese niemals zu hinterfragen, Ihr wurdet gezwungen, zu ihren „Göttern“ zu beten. Nach ihren Dogmen und Geboten zu leben, bis euer einstmals freier Verstand vollständig geknechtet war. Ja so sehr geknechtet, dass ihr euch glücklich wähnt und glaubt, euren Platz in dieser „heiligen Ordnung“ aus freiem Willen einnehmen zu wollen. Ihr sehnt euch danach. Ihr „wollt“ ráthstreu sein. Und ihr gebt euch zufrieden mit dem Versprechen von „Erlösung“, die euch sicher sei, wenn ihr den „göttlichen Geboten“ folgt. Eine Erlösung, die ihr nach dem Tode erfahren sollt, damit ihr das Leid im Leben klaglos erduldet. Erkennt ihr das perfide Spiel? Den Schwindel? Wie euch die Tyrannen täuschen mit einem Versprechen auf etwas, das ihr im Leben niemals erfahren werdet?
Sie selbst aber, die Tyrannen, die das Märchen von allmächtigen „Göttern“ als Werkzeug benutzten, um selbst wie Götter über ihre Sklaven zu herrschen, lebten in ebendieser Erlösung. In diesem Paradies, das sie den Ménan entrissen haben, um es für sich allein zu besitzen, während sie euch nichts als das leere Versprechen eines unerreichbaren Traumes ließen. Dieses Paradies aber, diese freie Welt, ist das Geburtsrecht aller Ménan. In ältester Zeit, bevor die Tyrannen sich erhoben, waren auch sie wie ihr, gleiche unter gleichen. Nicht mächtiger und nicht höher, als ihr. Und alles, was sie groß und mächtig werden ließ, war der falsche Glaube, mit dem sie euch täuschten.
Dies also ist das Ziel, für das wir kämpfen. Dies ist die Welt, die wir zurückerlangen werden, wenn die Tyrannen gestürzt und die Krankheit des falschen Glaubens ausgerottet sind. Eine Welt, in der die Ménan frei sind von der Tyrannei und Unterdrückung.
Ich werde euch dorthin führen. Denn bis ihr gelernt habt, frei zu denken und euer eigener Herr zu sein, seid ihr gefangen im Glauben und dazu verdammt, wieder auf den alten Weg zurückzukehren. Die „heilige Ordnung“ ist so tief in euch verwurzelt, dass sie sich selbst erhält und nicht erkannt werden kann von jenen, die nicht gelernt haben, sich aus eigener Kraft von ihr zu befreien. Ohne die richtige Führung werdet ihr euch wieder und wieder ins Unglück stürzen und den Tyrannen erneut die Macht in die ausgestreckten Hände legen.
Es gibt also keinen anderen Weg, als die Freiheit auf dem Weg zur Freiheit einzuschränken, um euch davon abzuhalten, euch auf dem falschen Weg zu verirren. Denn eurer falscher Glaube wird euch stets in die Irre führen. Oh, ihr glaubt, die „Wahrheit“ zu kennen. Doch was war eure „Wahrheit“ jemals mehr als die Märchen und Lügen der Tyrannen, die euch im Namen der „Götter“ alle Freiheit und das Geburtsrecht auf ein freies Leben nahmen? Die euch lehrten, was in ihrem Sinne „gut“ und „böse“, „falsch“ und „richtig“ war? Alles, was ihr glaubt und glaubt, zu wissen, erhält die alte Welt und das Recht und die Ordnung der Tyrannen.
Ich werde euch lehren. Und gemeinsam mit jenen, die die Fesseln ihres Glaubens abgeworfen haben, werde ich euch schützen und gegen die alte Welt der Tyrannei in den Krieg ziehen, um die Welt von ihr zu befreien.
Bezwingt euren eigenen Glauben. Verbrennt ihn im reinigenden, weißen Feuer und lasst euer altes, versklavtes selbst sterben, um als freier Ménan wiedergeboren zu werden.
Lasst eure alten Zweifel, eure alten Bande hinter euch, denn sie sind nichts als die Fesseln, die euch binden. In der freien Welt, für die wir kämpfen, sind wir alle Brüder und Schwestern, Seite an Seite vereint in dem Kampf für eine gemeinsame Zukunft. Schöpft also Mut, denn ihr seid nicht allein. Wir sind ein Heer und eine Familie, die euch führt und schützt, und euch hilft, euch von eurem krankhaften Glauben zu befreien.
Dies ist der Orden des weißen Feuers, der all jene mit offenen Armen empfängt, die willig sind, das Schwert zu ergreifen und zu kämpfen, um sich selbst von den Ketten der Tyrannei zu befreien. Jene, die bereit sind, mit mir in den Krieg zu ziehen, um das Volk von seinen Ketten zu befreien, will ich an meiner Seite willkommen heißen. Sie sind das Schwert und Schild der freien Welt und des geknechteten Volkes, das sich selbst nicht befreien kann. Sie sind diejenigen, die bereit sind, Hass und Feindschaft zu erdulden, die ihnen von den Gläubigen entgegengebracht werden, da deren falscher Glaube und ihre Furcht sie dazu zwingt, uns zu bekämpfen. Unwissende sind sie, blind und taub für die Wahrheit, die sie aus ihrem Elend und ihrer Sklaverei befreien könnte.
Daher müssen wir versuchen, sie zu lehren, auch wenn jeder Versuch uns in Gefahr bringt. Denn jeder Kontakt mit der alten Welt und ihrem Glauben vermag es, den alten Glauben in euch wachzurufen und seinen Zweifel in euch zu wecken. Daher müsst ihr stark sein und festhalten an der Wahrheit und an der Vision der freien Welt, für die wir kämpfen. Lehrt die Unwissenden. Helft ihnen, sich von ihren Fesseln zu befreien.
Wenn sie sich aber unwillig zeigen und die Waffen gegen euch erheben, so zögert nicht, zu kämpfen. Und versuchen sie, euch mit dem Gerede von „Frieden“ zu besänftigen, so lasst euch nicht von ihnen verführen und nicht von ihrer scheinbar gemäßigten Art in Sicherheit wiegen. Denn vergesst nicht: Wer nicht bereit ist, für eine freie Welt zu kämpfen, der ist ein Diener des Glaubens. Und wer nicht bereit ist, seinen Glauben als Krankheit zu erkennen und sich von dieser zu befreien, der ist ein Kranker, der seine Krankheit im Volk verbreitet und sich dabei selbst nicht als Gefahr sieht. Darum sind diese Feinde die gefährlichsten, da der Arglose sie nicht als Feind erkennt und nicht bemerkt, dass er von den Fesseln der „heiligen Ordgung“ erneut gefangen und zu ihrem Sklaven gemacht wird.
Dies ist ein Kampf, der viele Opfer fordern wird. So tief sitzt das Gift des Glaubens, der euch lenkt, dass uns keine andere Wahl bleibt, als es mit Feuer auszutreiben. Wenn das Blut eines Gläubigen der Preis ist, den die Freiheit fordert, dann bedenkt – es war ihr eigener Glaube, der sie vergiftet hat. Und es waren die Tyrannen und der Ráth, die diesen Glauben säten.
Wenn ihr zögert und Bedenken habt, da euch die Tyrannen zur „Friedfertigkeit“ und „Ráthstreue“ erzogen haben, dann erinnert euch daran: Seit mehr als zweitausend Áhr haben sie euch versklavt und euch Gewalt angetan, die ihr erdulden musstet. Sie haben euch bestraft und euch erschlagen, wenn ihr gegen das „Recht“ und die „Ordnung“ verstoßen habt, mit deren Hilfe sie euch geknechtet haben. Sie waren diejenigen, die diese Herrschaft der Gewalt begonnen haben. Und es liegt an uns, uns zu erheben und zur Tat zu schreiten, denn Gewalt kann nur durch größere Gewalt besiegt und in die Knie gezwungen werden.
Durch viele Opfer brachten die Tyrannen im Namen ihrer „Götter“ diese Krankheit über uns. Und an ihren Händen klebt das Blut der Opfer, die es kosten wird, um das freie Volk von dieser Krankheit zu heilen.
Weiter zu:
Möchtest du meine Arbeit teilen?